Reiseblog No. 11 // Schaufeln statt Gewehre und das Fazit, was uns Uganda lehrt

Die Tragweite des Mental-Health-Projekts hat mich nachhaltig beeindruckt. Im Gespräch mit den Psychologen wurde mir klar, dass es hier weit mehr als nur um Einzelschicksale geht. Vielmehr geht es um die Zukunft einer ganzen Generation.

„Traumatische Erlebnisse vererben sich“, sagen die Experten. Prägende Erfahrungen der Mutter übertragen sich auf das Kind, ohne dass es jemals in einer Kriegssituation leben musste. „Die Kleinen können nicht schlafen, werden aggressiv, leiden unter Konzentrationsstörungen.“ Selbst beim Spielen sähe man bereits veränderte Verhaltensmuster, etwa wenn sie mit imaginären Maschinengewehren aufeinander schießen. Viele weinen sehr schnell und sind Einzelgänger.

Ein Satz, den die Südsudanesin Joyce mir anfangs im Interview sagte, bringt es auf den Punkt. „Unser Land ist voller schrecklicher Gedanken. Unser Land ist verwirrt.“ Gerade deshalb ist es so wichtig, die Basis für eine Zukunft zu schaffen – und das noch vor dem Lesenlernen oder Schreiben. Der Wandel beginnt im Kopf, im Herzen der Menschen und das ganz besonders bei der nachfolgenden Generation. Wer ernsthaft an Frieden glaubt, muss den Kindern von heute Schaufeln statt Gewehren in die Hand drücken. Wer die Bildung vorantreiben will, muss sicher sein, dass sie sich konzentrieren können. Zuversicht und Elan statt Panikattacken. Wenn wir Projekte unterstützten, die traumatisierten

Menschen helfen, beginnen wir im Kleinen und helfen im Großen. Eine mental stabile Gesellschaft ist für einen zerrütteten Staat wie den Südsudan wahrscheinlich die letzte Hoffnung.

Fazit: Was uns Uganda lehrt

Nicht zuletzt wegen seiner geografischen Lage, sondern auch weil Uganda weites unberührtes Land für solche Camps zur Verfügung hat, trägt es gewissermaßen automatisch Verantwortung. Und wie fast überall, wenn unterschiedliche Interessengruppen auf einem Fleck sind, gibt es auch hier Reibungspunkte. Erst kürzlich soll es Unruhen zwischen den NGOs und der Host-Community gegeben haben. Die Einheimischen warfen den Organisationen vor, neue Jobs nicht an sie, sondern ihre eigenen Leute zu vergeben. Was sich meiner Meinung nach aber jeder vor Augen halten sollte: ein Land, das selbst mit gravierenden Probleme hat, wo mehr als jeder zweite Jugendliche keinen Job findet, und die Einheimischen ihr Land mit Hunderttausenden Geflüchteten teilen – genau hier macht die Regierung ihre Grenzen nicht einfach nicht.