Reiseblog No. 6 // Oh hello, Uganda. You’re warm, and very different

Uganda also. Wo genau in Afrika ist das eigentlich? Die Landkarte klärt auf: das Land liegt unterhalb des Südsudans, oberhalb von Tansania und Ruanda. Links befindet sich die Demokratische Republik Kongo, rechts Kenia. Das ist insofern wichtig, weil die geografische Lage Uganda zu dem gemacht hat, was es heute ist: Afrikas flüchtlingsfreundlichstes Land.

Das Hochkommissariat für Flüchtlinge der UN (UNHCR) registrierte im Jahr 2017 etwa 1,4 Millionen Geflüchtete. Die meisten kommen aus dem Südsudan und der Demokratischen Republik Kongo in den äußersten Westen Ugandas – und genau da wollen wir hin. Unser erster Stop ist Arua. Die Kleinstadt gilt als Dreh- und Angelplatz unzähliger NGOs. Die Organisationen vor Ort sind etwa Save the Children, Unicef, World Food Programm (WFP) – und natürlich auch die DAHW. Die Vorstellung bald in den größten Flüchtlingscamps Afrikas zu sein, macht mich ehrfürchtig.

In der Hauptstadt Kampala starten wird. In deutscher Manier stehen Christine und ich um Punkt 8 Uhr mit gepackten Rucksäcken in der Hotellobby. Der Verkehr am Morgen soll heftig sein, also besser schnell weg. Stimmen tut das, eilig hat es hier trotzdem keiner. Etwas verspätet – „weil Stau“ – fährt unser Driver uns zum GLRA-Büro. Dort warten Lisa Gerwing-Adima, Koordinatorin für Humanitäre Hilfe in Uganda, und die Leiterin des ansässigen Büros, Consolata Mpambaara. Und Robert Emmanuel – unser Fahrer und später heimlicher Held, der uns unzählige Stunden über die holprigsten Straßen und die tiefsten Schlaglöcher fährt. Die Sonne scheint. Es geht los.

Ein langer Weg – für uns und für das Bildungssystem

Insgesamt 10 Stunden dauert die Fahrt. Nach der Dürre in Äthiopien überrascht mich Uganda mit so viel Grün. Bei achtzig Stundenkilometern habe ich Zeit, die Landschaft in Ruhe zu studieren. Satte Bäume, rote Erde, wilde Wiesen, wohin das Auge reicht. Wir passieren kleine, niedlich aussehende Backsteinhäuser mit Strohdach. Alle Nase lang kommen uns Männer in bunten Gewändern entgegen und Frauen, die Körbe auf den Köpfen balancieren. Ein Maler hätte das Bild nicht besser hinbekommen. Doch spätestens als ich Lisa nach der Bildungssituation der Kinder im Land frage, ist Schluss mit der Romantik.

In die Schule gehen hier die meisten, sagt Lisa. „Die Frage ist nur: Was wird da geboten?“ Seit einigen Jahren sind die Primary Schools, was bei uns der Grundschule entspricht, kostenlos. Gerade in den ländlichen Gegenden seien die Kinder aber von vornherein benachteiligt. In den öffentlichen Einrichtungen lägen die Klassengrößen schnell bei 100 Schülern. Mehr als Lesen und Schreiben lernen ist da nicht drin. „Und wenn du nicht eine natürliche Intelligenz mitbringst, hast du den Schwarzen Peter“, sagt Lisa. Von individueller Förderung redet hier keiner, auch wenn sie extrem wichtige wäre. Denn auf den Primary Schools gibt es das Ticket für die weiterführenden Schulen.

Die Frage nach der Qualität der Lehrer liegt auf der Hand. Doch darin liegt schon das nächste Problem. „Der Lehrerberuf ist einer der am schlechtesten bezahlten in Uganda“, sagt Lisa. „Woher soll die Motivation also kommen? Bei Klassen, die aus allen Nähten platzen, und zu wenig Entlohnung, stehen Lehrkräfte nicht gerade Schlange.“ Weiterbildung gebe es zudem kaum, mal ganz abgesehen von der mangelhaften Ausstattung der Schulen. „Die Bevölkerung wächst so rasend schnell. Wenn man da nicht was tut, treibt sich Uganda von alleine wieder in die Armut.“

Nach unserem Gespräch schaue ich wieder aus dem Fenster. Die niedlichen Backsteinhäuschen sehe ich immer noch, diesmal nur mit anderen Augen. Was mir nämlich auch auffällt: zuerst kommen fünf sechs Häuser, dann erst mal wieder lange nichts. Würdet ihr hier unterrichten? Für fast kein Geld?