Reiseblog No. 7 // Was du noch nicht über Tuberkulose wusstest

Die Zukunft eines Landes hängt von der Gesundheit und Bildung der Menschen ab. Ein Satz, den ich bereits während meiner Äthiopien-Reise verinnerlicht habe. Doch was, wenn es das bestehende Gesundheitssystem alleine nicht schafft? Dieses Problem und die verheerenden Folgen werden mir in Uganda bewusst.

Seit Jahren kämpft die Regierung mit einer wachsenden Bevölkerung. Die US-Organisation „Population ReferenceBureau“ spricht davon, dass Uganda in den nächsten Jahrzehnten die höchste Wachstumsrate der Welt haben wird. Laut Prognosen explodiert die Zahl von 27,7 Millionen auf 130 Millionen im Jahr 2050 – zum einen wegen der eigenen Landsleute, vor allem aber auch wegen den Geflüchteten. Wer wegen extremer Dürre kein Essen anbauen kann oder Angst haben muss, dass seine Kinder im Schlaf von Rebellen umgebracht werden, der will weg – und kommt oft hierher. Vor allem der Bürgerkrieg im Südsudan vertreibt Hunderttausende.

„Was Essen, Trinken und die Gesundheit anbetrifft, läuft die Regierung auf Limit“, erklärt Lisa. Laut UNHCR hat die Zahl der südsudanesischen Geflüchteten seinen historischen Höchststand erreicht und zwischen 2015 und 2017 auf etwa eine Million verdreifacht. In ihrer Größe übersteigen die Camps deutsche Städte teils bei Weitem. Etwa 270 000 Menschen leben allein im Camp „Bidi Bidi“, das „Daad’ab“ in Kenia damit als größtes Camp der Welt ablöste. Zum Vergleich: Im unterfränkischen Würzburg leben 130 000 Menschen.

Uganda allein schafft es nicht. Das sogenannte „Office of the Prime Minister“, das die Hoheit über alles hat, was im Land passiert, arbeitet deshalb nach eigenen Angaben mit 61 Partnern zusammen – darunter UNICEF, UN Women, WFP, sowie mehr als 40 NGOs aus der ganzen Welt.

Während sich Europäer immer wieder beschweren, dass Geflüchtete den Einheimischen die Arbeitsplätze wegnehmen, plagen Uganda andere Sorgen: wo viele Menschen auf engem Raum leben, verbreiten sich Krankheiten rasend schnell. Die große Frage, die ich mir stelle: kann ich als Einzelperson von Deutschland wirklich was dagegen tun? Die Antwort ist: ja. Wie konkret habe ich mit eigenen Augen gesehen.

Spenden aus Deutschland investiert die DAHW unmittelbar in das Gesundheitssystem und die Krankenhäuser der Region. Dafür arbeitet das Team in enger Abstimmung mit dem „Uganda Ministery of Health“ und dem „Uganda catholic medical Bureau“ zusammen. Das Geld kommt aus einem der Fond des Bündnis Entwicklung Hilft (BEH), dessen Fokus auf der Therapie von Tuberkulose liegt.

Tuberkulose wird über Tröpfchen übertragen. Weltweit ist „TB“ noch immer die häufigste zum Tode führende bakterielle Infektionskrankheit. Das Deutsche Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt geht davon aus, dass etwa ein Drittel der Weltbevölkerung mit diesen Bakterien infiziert ist. Die Krankheit bricht jedoch nicht bei allen Menschen aus. Gefährdet sind Kinder und Jugendliche sowie Menschen, deren Immunsystem geschwächt ist.

„Die meisten Geflüchteten in den Camps sind wegen ihrer instabilen Gesundheit extrem anfällig für Krankheiten“, erklärt

Lisa. Gerade in Hütten oder Zelten, wo Menschen auf engstem Raum zusammenleben, steckten sie sich über husten und niesen gegenseitig an. Doch diejenigen, die sich in den Camps infizieren, seien noch nicht mal die größte Herausforderung. Viele hätten sich in ihren Heimatländern angesteckt und dort bereits mit einer Behandlung angefangen. „Wer die Therapie aus Fluchtgründen unterbrechen musste, wird gegen die entscheidenden Antibiotika -Wirkstoffe resistent.“

Für solche Fälle gibt es das „Arua Hospital“, das im gesamten Bundesstaat „West Nile“ die erste Anlaufstelle ist. „Normale Tuberkulose“ wird auch in den Health Centern oder direkt den Flüchtlingscamps behandelt. Bevor wir die Patienten sehen, drückt mir Christine einen hellgrünen Mundschutz in die Hand. Im Büro der TB-Station zählen Krankenschwestern akribisch die überlebenswichtigen Tabletten und summen zu leiser Jazzmusik. Durch den dicken Stoff spüre ich meinen Atem nach oben steigen. Die Luft steht.

Bei sogenannte MDR-Patienten (multidrug resistent) dauert die Therapie 24 Monate statt der üblichen sechs. Es besteht also viermal länger Zeit, um andere anzustecken. „Dreiviertel aller Betroffenen sind Geflüchtete“, erklärt Schwester Helen. Gerade deshalb ist es so wichtig, die Krankheit so früh wir möglich zu erkennen, zum Beispiel mit Hilfe spezieller Instrumente und Mikroskope. Diese beschleunigen nicht nur die Diagnose und verringern die Fehlerquote, sondern können die positiv getesteten Fälle in einer landesweiten Datenstatistik speichern – vorausgesetzt der Strom geht. Die Kosten liegen zwischen 2000 und 17 000 Euro und werden über Spendengelder finanziert werden, genauso wie die Schulung der Experten.