Reiseblog No. 8 // Sprit für den Tank, Bohnen für „Mama“

Was hilft die beste Medizin, wenn sie nicht genommen wird? Nicht viel. Das Problem ist: „Die Nebenwirkungen der Tabletten sind auf nüchternen Magen kaum erträglich“, sagt Lisa. Im Topf des BEH-Fonds ist deshalb auch Geld für Sprit und überlebenswichtiger Nahrung, mit dem die DAHW 200 Patienten in der Region beliefert. Sie müssen genug essen, um die Therapie auch außerhalb der Klinik fortsetzen können. Die Ration pro Kopf für drei Monate: zwei Liter Öl, drei Kilo Zucker, 50 Kilo Maismehl und 10 Kilo Bohnen. Mit vollem Kofferraum rast unser Van über die rote Schotterpiste los. „Mama“ wartet schon auf uns.

Nach Eineinhalbstunden Fahrt querfeldein stoppen wir vor einer Wiese. Wir befinden uns mitten in „Imvepi“, eines der größten Settlements der Region. Mehr als 126 000 Flüchtlinge sind hier laut UNHCR registriert, die meisten aus dem Südsudan. Mit der Unterstützung des Transports füllt die DAHW eine entscheidenden Lücken in der Patientenversorgung. Immerhin ein Teil der Strecke kann so finanziert werden. Das letzte Stück der Strecke bis vor die Häuser müssen in der Regel Motorbikes übernehmen. Sogenannte „Foodtransporter“ können die teils schmalen Feldwege mit tiefen Erdlöchern in den Camps nicht passieren.

Als wir aus dem Auto aussteigen, fällt mein Blick auf die beiden Lehmhütten mit Strohdächern. Im Schatten eines Baumes sind blaue Bastmatten ausgelegt. Nach und nach nehmen Kinder und Frauen darauf Platz. Zwei davon tragen Mundschutz – und eine davon ist „Mama“.

„Wir dachten, Mama stirbt“, beginnt Krankenschwester Helen die Essensvergabe, die mit uns in das Camp gefahren ist. „Jetzt sind wir glücklich, dass Mama zurück ist.“ Ein Mann übersetzt von Englisch in die Landessprache. Die MDR-Therapie in der Klinik sei erfolgreich gewesen, die Behandlung werde weitergehen. Doch gerade jetzt sei es wichtig, dass jeder in der Familie die Patientin unterstütze. Mama schweigt, die Runde klatscht. Doch Helen ist noch nicht fertig. Sie prüft genau.

Mit eindringlichen Worten brieft sie die Familie, was zu tun ist und was hinter der Krankheit steckt. Die Aufklärungsarbeit im Rahmen der Essenvergabe ist wichtig, denn damit steht und fällt der Erfolg der Therapie. Das fängt an von Infos zum Schlafplatz der Patienten – „allein in einer Hütte – bis zu den Symptomen der Krankheit. Denn hat sich ein anderes Familienmitglied angesteckt, muss so schnell es geht reagiert werden. Einen kleinen Junge, der sich im Schoß seiner Mutter versteckt, nimmt Helen besonders ins Visier. Ist er oft müde, will sie wissen. Hustet er heftig und wenn ja, wie oft? „Wenn du hustest und es vor uns versteckst, stirbst du“, warnt sie. Um auf Nummer sicher zu gehen, will sie ihn untersuchen lassen. Gezögert wird hier nicht.

Etwa eine halbe Stunde später übergibt das DAHW-Team die Säcke mit Nahrung an „Mama“. Die Illusion, dass die Patientin das Essen nur für sich behält, macht sich keiner von den Helfern. Zu hoffen bleibt aber, dass die Familie die Anweisungen mit der Ältesten teilt. Wie wir später erfahren, verstand „Mama“ die Übersetzungen nicht.